Events

Dez
18
Fr
SEX JAMS versus HELLA COMET @ Redbox Mödling
Dez 18 um 19:00 – 22:45

Sex Jams

Man spürt die Wellen, die sich die fünf zuspielen: ihre Bewegungen an den Instrumenten gehen ineinander über, wie Körper in einem Wellenbad, das Ganze aus der Vogelperspektive. Oben schwimmt Katharina Maria Trenk, nimmt jeden Impuls der Musik mit, potenziert ihn. Bassist Peter T., der Trommler Rudi Braitenthaller und Gitarrist Lukas Bauer bringen das Boot locker auf Tempo, gute Crew! Und dann ist da natürlich noch Wolfgang Möstl, die Definition des Slack-Packertums und das umtriebigste Gitarrenwunder zwischen Wien und Graz. Die Sex Jams sind voll verzerrt, und trotzdem mega catchy was die Melodien angeht.

Hella Comet

Mit Hymnen aus schweren Riffs und leichten Melodien bespielen Hella Comet die Pole der Rockmusik. Ihr dichter Wall of Sound ist auf Coolness und Pathos gebaut, verströmt Aufgeregtheit und Abgeklärtheit. Es ist tanzbar, hat aber einen gewissen Grad an Härte. Das ist Rock, der auf schwerem Noise und leichtem Pop fußt, ganz auf der Höhe der Zeit. Die New Yorker Gitarrenschule der Nach- Television-Ära. Es ist Rock aus dem postmodernen Zeitalter. Dieses Quartett steht auf dem Müllhaufen der Geschichte und grinst frech herunter, ohne dabei die Ernsthaftigkeit zu verlieren.

Jan
29
Fr
DIE DRESCHER Support: DA BRONIZ @ Redbox Mödling
Jan 29 um 19:00 – 22:45

In den dunklen Landen des Steinfeldes am Rande der Buckligen Welt ist Erntezeit. Ein neuer Morgen dräut herauf. Der graue Nebel hebt seine dunstige Last vom Angesicht der alten Erde, die hier von unzähligen Generationen bearbeitet und geformt wurde. Ein Knecht namens Drescher macht sich bereit, alles umzuackern. Er schüttelt sich die Nacht aus seinen steifen Gliedern, klaubt das Stroh aus der grob gestrickten Weste, schnippt es in den Matsch und spricht jene rauen Worte voller Urgewalt mit der melodiös-harten Sprache, in der schon seiner Ahnen die Geschicke der Welt so treffend zum Ausdruck brachten: „Bled grennt.“
Mag man das in gängiges Deutsch übersetzen, heißt das „dumm gelaufen – aber was soll’s?“. Bis jetzt möglicherweise. Doch mit der unbändigen stoischen Kraft und Gelassenheit einer Maschine stehen Drescher auf und fangen von vorne an. Und mit all den Lehren, die das Leben einem geben kann, haben sie die Worte gefunden, die eine reine, ehrliche und ungeschönte Botschaft tragen. Denn das alles musste jetzt einfach mal ohne Rücksicht auf irgendwas oder –wen gesagt werden. Die Musik ist bei Drescher so natürlich wie die Sprache. Denn es ist ihr Ding, mit dem sie seit Jahrzehnten durch ihre Verstärker jagen, was ihre Herzen befehlen.
Es ist Crossover-Metal mit österreichischem Dialekt – oder einfach VOLKSMETAL
Es ist Thrashmetal aus dem Herzen des Steinfelds – oder einfach DRESCH METAL
Es ist Drescher.
Gernot Engel und Bernd Wograndl verbindet seit den 90ern des letzten Jahrhunderts die Vorzüge der lauten und schnellen Riffs. „Endocrane“, „Paranoid Agony“ oder „Bleeed“ um nur einige Ihrer musikalischen Projekte zu nennen. Kleine Vorgeschichten im Angesicht des neuen, allumfassenden Werkes namens „Erntezeit“, ihrem Debut als „Drescher“. Zwischen damals und heute liegen mindestens sechs gelebte Leben und Karrieren, die ihnen die Reife und Gelassenheit gaben, um derart loszuschlagen.
Schon vor Jahren kamen sie mit der Ansage, dass sie das nächste große Ding, etwas völlig Neues abliefern werden. Ich kann mich gut erinnern. Größenwahnsinnig – klar. Warum nicht. Das ging so über Monate, weitere Jahre. „Abwarten dachte ich mir“. Sie wollten in Mundart singen. „Interessant“ dachte ich mir. Es werde Metal mit Akkordeon sagten sie. Ich dachte nichts mehr. Sie legten sich die Latte damit höher und höher. Gaben sich nie mit halben Sachen zufrieden, schickten Tonmischungen und Artwork wieder zurück an den Start, überließen nichts dem Zufall. Denn sie wussten was sie tun. Jetzt wird es also Realität. Ich durfte das Endprodukt, das endlich allen Ansprüchen genügte, hören und ich durfte das erste Video sehen. Nach all den Jahren. Kein Platz für Häme. Ich kann nur sagen: Sie haben abgeliefert. Respekt.
Conrad Heßler (Musikjournalist)